• Pflicht

    Gitterstäbe,
    säuberlich ausgerichtet,
    einer neben dem anderen,
    wie die Tage des Jahres.

    Ein Zaun,
    streng eingrenzend, eisern,
    in den Himmel starrend,
    zuweilen lange Schatten werfend.
  • Glücklicher Tag

    Einen Stern möcht' ich pflücken,
    denn des Himmels Entzücken
    hat heute die Erde gestreift.

    Eine Wolke streut Rosen,
    das Herz übergossen
    im Regen der Liebe sich neigt.
  • Schatten

    Wer bist du, dunkler Schatten,
    der sich an meinen Fersen hält?
    Meine Kräfte schon ermatten,
    wieder mir hast nachgestellt.

    Fliehend lauf'ich durch die Straßen,
    doch der Schatten eilet mit,
    folget mir in alle Gassen,
    immer kann er halten Schritt.

    Verzweifelt fall' ich auf die Erde
    und schrei' daß mir doch Hilfe werde.
    Da beugt sich über mich ein Baum,
    so zart und kühl, ich merk' ihn kaum.

    In nichts ist aufgelöst mein Schatten,
    ich träum' vom Paradiesesgarten.
    Der große Schatten mich bedeckt
    und schützt, wenn mich der eig'ne schreckt.
  • Des Tages Abschied

    Der Tag steigt von den Bergen.
    Die Vöglein es nur merken.
    Ganz lautlos wendet er sich ab
    Und greift nach seinem Wanderstab.

    Er schleppt sein goldnes Gewand
    Noch einmal übern Meeresstrand.
    Dann sinkt er in die Ewigkeit,
    die dunkle Nacht hat ihre Zeit.
  • 3 Wünsche

    Ich wäre so gerne:

    Ein Baum,
    der im Blütenkleide
    die Frühlingssonne erwartet.

    Ein Vogel,
    der nicht weiß,
    wer ihn in den Lüften hält.

    Ein Wasser, das vom Winde gestreichelt,
    Lotosblumen trägt.
  • Gottesacker

    Bedeckt mit einem Blumenstrauß,
    So ruht der Mensch vom Leben aus.
    Bleibt nur ein Feld von wen'gen Fuß,
    Die lila Schleife, letzter Gruß.

    Wie weggewischt sind Glück und Klage,
    Die trüben und die Sonnentage.
    Kein Unglück ihn von nunan schreckt,
    Wenn ihn die Erde einmal deckt.

    Die Bäume werfen ihre Schatten
    Auf alle seine Missetaten.
    Nur Stille ihre Kreise weitet,
    Die Ewigkeit liegt ausgebreitet.
  • Ernte

    Früchte überall!
    Jeder sammelt die seinen,
    mühsam aus der Erde gehackt,
    vom Baume gepflückt,
    mit der Sense geschnitten.

    Die Körbe füllen sich,
    in die Scheunen wird eingefahren,
    in den Fässern gärt es.

    Der Herbst hat seine Gaben verteilt,
    seinen Reichtum verschenkt.
    All unser Tun heißt Vertrauen
    auf einen neuen Frühling.
  • Im Adventslicht

    Da seh ich ihn wieder, den Weihnachtsbaum
    Von Kerzen erhellt, mit goldenem Saum.
    Maria und Josef, das himmlische Kind
    Im steinkalten Stalle ich wiederfind.
    Armselige Krippe, gepolstert mit Stroh
    Und alle die Engel, die jubeln so froh.
    Bescheiden treten auch Hirten jetzt ein
    Um Zeugen des großen Wunders zu sein.
    Ihr Reichtum ein Lämmlein, sie legen's zu Füßen
    Des Kindes, den König sie grüßen.
    In seligem Traum schau' ich unverwandt
    Zurück in die Kindheit, wo die Krippe einst stand.
  • Oktober

    Traum liegt über den Gärten
    Stille webt goldene Töne
    Ein Hauch von Duft trägt letzte Schmetterlinge

    Sonne liebkost Blüten
    Farben werden zu Lichtern.
    Vögel ziehen in blaue Fernen.

    Abschied flüstern die Bäume.
    Die Blätter erbleichen
    Das Herz schlägt beklommen.
  • Sommerwind

    Laßt die grünen Fähnchen wehen,
    die die Espe aufgesteckt.
    Heute soll die Welt es sehen,
    Sommerzeit ist aufgeweckt.

    Fröhlich nun der Wind sie wendet,
    hin und her die Blätter fegt,
    bis das Spiel auf einmal endet
    und der Übermut sich legt.

    Staunend lausche ich im Grase,
    schaukle mit dem Baume dort.
    Meine Augen wandern lasse,
    Träume tragen mich dann fort.