• Kuckuck

    "Kuckuck", aus dem Wald es tönt.
    Plötzlich scheint die Welt verschönt
    Und mein traurig-müdes Herz
    Hebt sich wieder himmelwärts.

    Überall lacht's weiß und grün,
    Frühling läßt die Bäume blüh'n.
    Düfte wehen lau und hold,
    Mutter Sonne schenkt ihr Gold.
  • Rätselhaft

    Es gibt nur leere Taschen,
    will ich den Schnee erhaschen.
    Es bleibt nichts in der Hand.

    So geht's mit vielen Dingen,
    die wir so gerne fingen.
    Die Hände bleiben leer.

    Auch Glück wird rasch vergehen,
    die Zeit, sie wird verwehen,
    es bleibt nichts in der Hand.
  • Wunsch

    Vöglein trag' mich fort im Wind,
    dahin, wo die Wolken sind.
    Wär' so gern ein Vögelein,
    das mit seinen Flügeln zwei'n,
    selig durch die Lüfte steigt,
    bis sich ihm der Himmel zeigt.
  • An ein Vögelchen

    Du bist mein kleiner Freund,
    mein freundliches Erwachen,
    mein Freudenruf, mein Morgenlied.

    Du schenkst mir
    zärtliches Vertrauen,
    gibst Zuversicht, Ergebenheit.

    Du trägst mir meinen Kummer fort,
    bewachst mein Tun
    und teilst mit mir die Zeit.
  • Meerstern

    Die Zeit ist um, nun bin ich alt.
    Der Fährmann ruft, mir ist so kalt.
    "Hol' über", ich fleh', mit zitternder Hand
    steig' ich ins Boot, fahr' zum anderen Strand.
    Die Sonne neigt sich, bald ist es vollbracht.
    Oh Meerstern, so leucht' mir in dieser Nacht.
  • Gebet am Scheideweg

    Ich kann den Weg nicht finden,
    der zu Deinem Herzen führt.
    Dornen mußt' ich überwinden,
    wo sich jede Spur verliert.

    Lang' schon sucht' ich in Bedrängnis
    und in meiner großen Not
    nach dem Pfade aller Hoffnung,
    der mich trägt zu Dir mein Gott.
  • Die Katastrophe

    Die Sonne schmilzt
    Die Wolken brennen
    Das Meer verdampft
    Die Erde bricht.

    Aus tausend Kratern
    sprüht das Licht
    und Feuer frißt
    das Leben.

    Die Sterne tropfen
    vom Firmament,
    schwarz stürzt
    der Mond ins All.

    Wehe den Blumen,
    den bunten Vögeln
    und den Seelen
    der Unschuldigen.
  • Fastnacht

    Töne wirbeln durch den Saal.
    Tanz' doch auch, versuch's einmal!
    Dreh' dich fröhlich hin und her,
    Als ob die Welt ein Jahrmarkt wär'.
    Lustig baumeln Luftballone,
    Bänder wehen vom Balkone.
    Rote Nase, bunter Hut,
    Meine Stimmung steigt zur Flut.
    Alles spült sie mit sich fort,
    Tränen, Trauer schwimmen dort.
    Endlich nun die Flöten schweigen,
    Klarinetten und auch Geigen,
    Selbst die Trommel bleibt jetzt stumm -
    Angst beschleicht mich wiederum.
  • Frage

    Des Sommers Tage sind gezählt.
    Der Abschied schon mein Denken quält.
    Mein Herz erzittert wie ein Blatt,
    das der Wind geschüttelt hat.
    Was hält der Herbst für mich bereit,
    ein buntes oder schwarzes Kleid?
  • Wolken

    Weiße Wolken wandern irgendwohin
    Über die Meere am Himmel sie zieh'n
    Kennen nicht Abschied nicht Wiederseh'n
    Treiben nur weiter und gehen und geh'n.
    Trauer und Freude sie lassen zurück,
    Wolken nur tragen die Sehnsucht nach Glück.