Die Sonne stieg rot hinterm Hügel hinab.
Für mich liegt schon wieder ein Tag im Grab.
Andre Menschen erwarten mit Freude
Sonnenschein, Wärme, ein neues Heute.
In stetigem Wechsel Anfang und Ende,
Hier Nacht, dort Tag, eine ewige Wende.
Die Erde, sie dreht sich seit
viel tausend Jahren.
Wie winzig des einzelnen Lebensgebaren!
Die Nächte kommen, die Tage gehn
Auch dann noch, wenn unsere Spuren verwehn.
Autor: mholschuh
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Abendgedanken
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Vergänglich
Nichts wirst Du halten,
Nichts bleibt beim alten.
Das ewige Strömen
Wird mit sich nehmen
Freude und Bangen,
Woran Du gehangen,
Liebe und Lohn
Sie schwimmen davon. -
Der letzte Sommer
Die Sonne hat den Sommer aufgeweckt,
Kastanien sind mit rot' und weißen Kerzen reich besteckt.
Die Wälder strahlen lichtes Grün
Und tausendfach die Blumen blüh'n,
Als wollten sie noch einmal schmücken
Der Erde rundgebeugten Rücken.
Weiße Wolkentürme ziehn
Am Himmel und die Schatten fliehn.
Meine Augen spiegeln Glanz.
Sie nehmen auf die Schönheit ganz,
Trinken von der üpp'gen Fülle
Bis mich umfängt des Abends Stille.
Das Glück hat eine kurze Frist.
Ob dies der letzte Sommer ist? -
Weihnachtsgeschenke
Meine Liebe leg' ich ihm zu Füßen,
Hoffend auf sein gütiges Verstehn.
Meine Gabe soll ihn grüßen,
Wenn wir das hohe Fest begeh'n.
Meine Wünsche, all mein Denken
Lege ich in Gottes Hand,
Möge er mir Frieden schenken,
Welcher ist des Glückes Pfand. -
Abgestorben
Die Quelle ist versiegt,
Der Baum im Sterben liegt.
Die Äste hängen schlaff herab,
Die Blätter fallen gelb in's Gras.
Kein Frühling kann ihn mehr erwecken,
Nie wird er mehr die Triebe strecken.
Kein Vogel wählt ihn mehr zur Rast,
Noch trägt er mehr der Ernte Last.
Ohne Sendung, ohne Kraft
Und alles, was das Leben macht, Steht er dem Sturme ausgesetzt.
Im Sturze endet er zuletzt. -
Herbst
Die letzte Farbe verglüht
Vom Herbst so keck versprüht.
Bunte Blätter, getrieben vom Wind,
Voller Übermut noch sind.
Sie wirbeln und kreisen
Bis sie mit leisem
Zittern die Erde erreichen.
Der müde Sommer ging zur Ruh',
Braunes Herbstlaub deckt ihn zu. -
November
Der Sommer ist gegangen,
Vorbei das üpp'ge Prangen.
Das Grün, es stirbt dahin,
Nur Totenastern blüh'n.
Den Sommer meines Lebens
Ihn suche ich vergebens.
Der Liebe rote Rosen
Mit Tränen sind begossen. -
Musik
Immer höre ich Musik,
Ständig träume ich vom Glück.
Möcht' mich leicht im Takte wiegen,
Froh in Deinen Armen liegen,
Tanzen, schweben, gleiten
Bis sich die Räume weiten,
Rundherum und aufwärts fliegen,
Alle Schwere wir besiegen. -
Fort
Es scheint, als ob Du gingest
So leicht, als ob Du schwingest
Dich auf, wie ein Vogel in die Luft.
Ich seh' Dir nach und leide,
Weil ich doch immer bleibe
Zurück und fühle nur die Kluft. -
Welk
Die stolze Blüte wird nun matt.
Sie faltet langsam Blatt um Blatt,
Den schweren Kelch senkt sie ganz leise
Und auf ihrer letzten Reise
Stürzt sie hinab bis auf die Erde,
Auf daß sie nun vergessen werde.