Kategorie: Gedichte

  • Zweifel

    Der Tag geht still zur Neige.
    Ich grüble nun und schweige.
    Der Sommer ist schon längst dahin.
    Im Herbst sah ich die Vögel ziehn.
    Nun hat der Winter angeklopft
    Und alles, was ich mir erhofft,
    Wird es mir je gelingen,
    Werd' ich es noch vollbringen?
  • Neubeginn

    Wer hat heute über Nacht
    Überall die Blütenpracht
    Ausgestreut auf Tal und Hänge
    Und den Bach aus eis'ger Enge
    Freigelassen in die Wiesen,
    Wo die Wasser hurtig fließen.

    Frühlingssonne hat's geschafft,
    Dass auch ich mich aufgerafft
    Nach des Winters trüber Klage
    Und an diesem hellen Tage
    Mutig durch die Lande schreite.
    Geist und Frohsinn brauchen Weite.

    Trauer bleibt heut' eingeschlossen
    Und ich wandre unverdrossen
    Immer weiter in den Tag,
    Komm' noch, was auch kommen mag.
    Unbekümmert und befreit,
    Schau' nicht zurück, kenn' keine Zeit.
  • Sommerzeit

    Schmetterling tanzt durch die Sommerzeit
    Mein Garten trägt just sein buntestes Kleid.
    Schmetterling tanzt immer wieder,
    Schon läßt er sich zärtlich nieder,
    Auf Zweigen mit roten Rosen,
    Die duftenden Schönen zu kosen.

    Im Winde sie wiegen sich hin und her,
    Herz, was bist du auf einmal so schwer?
    Dein Sommer schon längst vergangen ist,
    Kein Schmetterling mehr eine Rose küßt.
    Nur Träume schwingen noch durch die Zeit.
    Ach Rose, ach Sommer was bist du so weit.
  • Erinnerung

    Der Tag sucht Dich in tausend Bildern, ach.
    verzweifelt geh' ich Deinen Spuren nach.
    Die Rose starr am Wege steht,
    die Zeit hat jeden Schritt verweht.

    Die Bilder wirbeln durch den Sinn,
    wo führt mich meine Straße hin?
    Im Dunkel scheint sie sich zu winden.
    Werd' ich Dich jemals wiederfinden?
  • Enttäuscht

    Die blasse Rose ist geknickt.
    Sie hatte sich herabgebückt
    nach dem verlornen Blütenblatt,
    das ihr der Wind entrissen hat.

    Sie kennt noch nicht Vergänglichkeit
    und weiß nichts von verlorner Zeit.
    Der Wind doch rüttelt unentwegt
    bis alle Blätter fortgefegt.

    Der krumme Stengel morsch und alt,
    was wehrt er sich, der Frost kommt bald.
    Die Bienen und die Schmetterlinge,
    siekümmern sich um andre Dinge.
  • Lebensbilder

    Du stehst wie ein Schilfrohr im Wasser
    Der Wind wiegt dich, beugt dich, bis er dich knickt.

    Deine Erwartungen wachsen wie ein Mammutbaum.
    Ein einziger Blitzschlag spaltet und tötet ihn.

    Dein Glück hängt am Rosenstrauch des Sommers.

    Vertraue schon den Knospen und es wachsen dir Flügel.
  • Einsam

    Das Haus ist still, die Wände schweigen.
    Das Herz sich grämt, mir ist so eigen.
    Im Kreise dreh' ich mich herum,
    doch überall es bleibt ganz stumm.

    Vorm Fenster steht ein Blütenbaum,
    mein Herz ist leer, ich fühl' es kaum.
    Die Blüten neigen sich im Regen
    und dunkle Schleier mich umgeben.
  • Aufmunterung

    Fasse den Augenblick,
    vergiß alle Pein,
    bald blüht dir ein neues Glück,
    die Freude ist dein.
  • Zurückgelassen

    Seit ich dich verloren
    malt mein Herz
    dich groß und schön.
    Am Wegrand der Träume
    sitze ich und warte
    bis du vorüberkommst.
  • Bedenkzeit

    Wenn die Nacht sich anschickt
    ihre Nebelschleier auszubreiten,
    wenn der Himmel immer bleicher wird,
    das letzte Sonnenrot verglüht,
    dann stehen alle Fragen auf,
    von der Unrast des Tages verdrängt.
    Der Sterne Schein aber bringt Licht
    in der Seele Verwirrung.