Kategorie: Gedichte

  • Losgelassen

    Ich hab' dich losgelassen
    Und möcht doch gerne fassen
    Nach Deiner lieben Hand.

    Ich hab' Dich losgelassen
    Und möcht Dich halten fest
    Wo immer Du auch gehst.

    Ich hab' Dich losgelassen
    Doch träum' ich immerzu
    Von dem vertrauten Du.
  • Frost

    Die letzte Knospe ist im Frost erstarrt.
    Ein heller Sonnenstrahl hat sie genarrt,
    Versprach ihr Wärme, schönes Licht,
    Doch der November hielt dies nicht.

    Der Morgentau gefror zu Eis,
    Die kleine Knospe färbt sich weiß
    Und todesmatt den Kopf sie senkt,
    Mit Wehmut an den Sommer denkt.
  • Im Netz

    Ich schau durch die Maschen
    Und glaub' , ich sei frei
    Doch will ich erhaschen
    Was immer es sei,
    So bin ich versponnen,
    Gehalten im Netz,
    Um Freiheit gekommen,
    Gefangengesetzt.

    Der Wünsche nun müde,
    Dem Verzichte geneigt,
    Die himmlische Güte
    Mir Besseres zeigt.
    Freude und Glück
    Sie sinken wie Blei,
    Bleiben zurück,
    Nur der Geist, der ist frei.
  • Das Leben

    Das alte Karussell noch immer dreht sich.
    Die Kirmesorgel leiert kläglich.
    Die forschen Reiter auf dem Rücken
    Ganz starr die weißen Pferdchen blicken.

    Ständig sie im Kreise springen.
    Kann man sie zum Halten bringen?
    Immer eine Runde nach
    Bis die Angst zum Herzen kroch.

    Trabt ihr Pferdchen nicht so schnell
    Mit dem alten Karussell!
    Plötzlich bleibt es knarrend stehn,
    Wird sich nie mehr weiterdreh'n.
  • Die letzten Tage

    Weit und eben
    Am Horizont zerfließend,
    Einsames Leben.

    Keine Rose
    Hebt mehr ihr Haupt,
    Grau jede Pose.

    Baum ohn' Schatten
    Das Ödland dürstet,
    Flügel ermatten.

    Bleich die Stille
    Ohne Antwort bleibt,
    Ersehnend die Fülle.
  • Wünsche

    Meine Wünsche ließ ich fliegen
    Wie einen roten Luftballon.
    Meine Träume sollten siegen
    Und schon schwebten sie davon.

    Meine Augen zogen mit die Bahn.
    Sie verlor sich in den Wolken
    Wo sie meiner Sehnsucht folgend
    Stieß gar an den Himmel an.

    Unsere Erde hat ihn wieder
    Den kleinen, roten Luftballon.
    Entmutigt sank er vor mir nieder,
    Als ich ihn glaubt am Ziele schon.
  • Marienkäfer

    Zwei Punkte und ein roter Rock,
    So seh' ich ihn am Rosenstock,
    Krabbelt eifrig auf und nieder,
    Küsst die Blüte immer wieder.

    Plötzlich scheint er sehr verwirrt,
    Reckt und streckt sich recht geziert,
    Öffnet leicht die Flügel beide,
    Sucht mit einem Mal das Weite.
  • Besinnlich

    Die ersten gelben Blätter,
    Das erste graue Haar.
    Ich halte ein und staune,
    Vergangen schon ein Jahr?

    Die Welt lebt noch im Sommer,
    Denkt nicht an das Vergehn,
    Sieht nur das reiche Blühen,
    Glaubt nicht an Untergehen.

    Was wollt' ich noch erreichen!
    Nun ist's geworden spät.
    Ein Sommer ohne gleichen
    Ganz still vorübergeht.
  • Wolkenbilder

    Ein Bilderbuch ist aufgeschlagen
    Am Firmament an Sommertagen.
    Wer fröhlich sich die Muße nimmt,
    Der sieht sie alle ganz bestimmt.

    Den schlauen Fuchs, der leise schleicht,
    Das Krokodil, das fast zur Erde reicht.
    Am Horizont, da grasen Elefanten,
    Zwei Riesenvögel wollen landen.

    Ein Eisbär wälzt sich auf dem Rücken,
    Weiße Schäfchen mich entzücken
    Und dort, ich sehe es genau,
    Sein mächt'ges Rad schlägt da ein Pfau.

    Dazwischen spritzt wohl eine Hexe
    Überallhin dicke Kleckse.
    Der Wind wischt wütend drüber hin
    Bis alle Bilder vorüberziehn.
  • Allerseelen

    Tannengrün, hell von Kerzengeleucht
    Die letzten Blumen von Tränen feucht,
    Wartende Stille sich überall weitet
    Bis einer bedächtig den Nebel durchschreitet

    Hält sinnend auf seinem Wege ein
    Vor einem Mahnmal aus dunklem Stein.
    Vom Lebensbaum tropft herab die Zeit
    Und mündet langsam in Ewigkeit.