Ich hab' dich losgelassen
Und möcht doch gerne fassen
Nach Deiner lieben Hand.
Ich hab' Dich losgelassen
Und möcht Dich halten fest
Wo immer Du auch gehst.
Ich hab' Dich losgelassen
Doch träum' ich immerzu
Von dem vertrauten Du.
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Losgelassen
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Frost
Die letzte Knospe ist im Frost erstarrt.
Ein heller Sonnenstrahl hat sie genarrt,
Versprach ihr Wärme, schönes Licht,
Doch der November hielt dies nicht.
Der Morgentau gefror zu Eis,
Die kleine Knospe färbt sich weiß
Und todesmatt den Kopf sie senkt,
Mit Wehmut an den Sommer denkt. -
Im Netz
Ich schau durch die Maschen
Und glaub' , ich sei frei
Doch will ich erhaschen
Was immer es sei,
So bin ich versponnen,
Gehalten im Netz,
Um Freiheit gekommen,
Gefangengesetzt.
Der Wünsche nun müde,
Dem Verzichte geneigt,
Die himmlische Güte
Mir Besseres zeigt.
Freude und Glück
Sie sinken wie Blei,
Bleiben zurück,
Nur der Geist, der ist frei. -
Das Leben
Das alte Karussell noch immer dreht sich.
Die Kirmesorgel leiert kläglich.
Die forschen Reiter auf dem Rücken
Ganz starr die weißen Pferdchen blicken.
Ständig sie im Kreise springen.
Kann man sie zum Halten bringen?
Immer eine Runde nach
Bis die Angst zum Herzen kroch.
Trabt ihr Pferdchen nicht so schnell
Mit dem alten Karussell!
Plötzlich bleibt es knarrend stehn,
Wird sich nie mehr weiterdreh'n. -
Die letzten Tage
Weit und eben
Am Horizont zerfließend,
Einsames Leben.
Keine Rose
Hebt mehr ihr Haupt,
Grau jede Pose.
Baum ohn' Schatten
Das Ödland dürstet,
Flügel ermatten.
Bleich die Stille
Ohne Antwort bleibt,
Ersehnend die Fülle. -
Wünsche
Meine Wünsche ließ ich fliegen
Wie einen roten Luftballon.
Meine Träume sollten siegen
Und schon schwebten sie davon.
Meine Augen zogen mit die Bahn.
Sie verlor sich in den Wolken
Wo sie meiner Sehnsucht folgend
Stieß gar an den Himmel an.
Unsere Erde hat ihn wieder
Den kleinen, roten Luftballon.
Entmutigt sank er vor mir nieder,
Als ich ihn glaubt am Ziele schon. -
Marienkäfer
Zwei Punkte und ein roter Rock,
So seh' ich ihn am Rosenstock,
Krabbelt eifrig auf und nieder,
Küsst die Blüte immer wieder.
Plötzlich scheint er sehr verwirrt,
Reckt und streckt sich recht geziert,
Öffnet leicht die Flügel beide,
Sucht mit einem Mal das Weite. -
Besinnlich
Die ersten gelben Blätter,
Das erste graue Haar.
Ich halte ein und staune,
Vergangen schon ein Jahr?
Die Welt lebt noch im Sommer,
Denkt nicht an das Vergehn,
Sieht nur das reiche Blühen,
Glaubt nicht an Untergehen.
Was wollt' ich noch erreichen!
Nun ist's geworden spät.
Ein Sommer ohne gleichen
Ganz still vorübergeht. -
Wolkenbilder
Ein Bilderbuch ist aufgeschlagen
Am Firmament an Sommertagen.
Wer fröhlich sich die Muße nimmt,
Der sieht sie alle ganz bestimmt.
Den schlauen Fuchs, der leise schleicht,
Das Krokodil, das fast zur Erde reicht.
Am Horizont, da grasen Elefanten,
Zwei Riesenvögel wollen landen.
Ein Eisbär wälzt sich auf dem Rücken,
Weiße Schäfchen mich entzücken
Und dort, ich sehe es genau,
Sein mächt'ges Rad schlägt da ein Pfau.
Dazwischen spritzt wohl eine Hexe
Überallhin dicke Kleckse.
Der Wind wischt wütend drüber hin
Bis alle Bilder vorüberziehn. -
Allerseelen
Tannengrün, hell von Kerzengeleucht
Die letzten Blumen von Tränen feucht,
Wartende Stille sich überall weitet
Bis einer bedächtig den Nebel durchschreitet
Hält sinnend auf seinem Wege ein
Vor einem Mahnmal aus dunklem Stein.
Vom Lebensbaum tropft herab die Zeit
Und mündet langsam in Ewigkeit.