Die Welt ist satt,
es reift der Wein,
der Himmel blau
und Sonnenschein.
Das Kornfeld leer,
die Krüge voll,
die Bäume schwer,
das Erntesoll.
Mein Herz laut schlägt.
Dahin der Mai!
Die Zeit mich frägt:
Warst du dabei?
Lebt noch die Lieb´
trotz aller Müh´n?
Ein Röslein blüht
Versteckt im Grün.
-
Spätsommer
-
Zum Geburtstag
Eine Rose, Enkelsohn,
blüht in meinem Garten schon.
Gern möcht' ich sie Dir schenken,
allerherzlichst Dein gedenken.
Alle Freude, alle Tugend,
Lieblichkeit und frohe Jugend
bring' sie Dir von Haus zu Haus
aller Kummer weh' hinaus! -
Einsam im Frühling
Einsam im Frühling.
In meinem Garten, oh Wunderland
Die ersten Veilchen ich heut‘ fand.
Der Frühling hat sie ausgestreut,
damit das Menschenherz sich freut.
Der Wald ist voller Vogelschall,
die Hoffnung grünt nun überall.
Ein Rosenstrauch im Schatten träumt,
hat er den Frühling gar versäumt?
Voll Ungeduld das Herz nun schlägt,
und Traurigkeit mich quälend frägt:
grünt sie denn nicht, die Rose dein? –
Begraben ist die Liebe mein. -
Abkehr
Des Meeres Wellen schäumen kalt,
Der Möwe Schrei vom Felsen hallt.
Der Wind schleppt Nebelschleier her
Fast finde ich den Weg nicht mehr.
Mein Schiff sucht einen sichern Strand,
Ich reise in ein fernes Land. -
Der Kreisel
Das Schicksal seine Peitsche schwingt,
Den Kreisel flugs zum Tanzen zwingt.
Hübsch bunt ist er ja anzusehn,
Doch will er sich nicht weiterdrehn
Und taumelt eines Tages matt,
Ein Hieb ihn gleich getroffen hat.
Erneut springt er in seine Bahn,
Fängt fleißig sich zu drehen an. -
Am Fenster
Vorm Fenster glüht ein Feuer,
Es brennt der wilde Wein
Des Herbstes schönste Farbe
Schaut heut' zu mir herein.
Des Sommers warme Strahlen
Sie leben noch im Blatt,
Wenn auch das große St4erben
Schon längst begonnen hat. -
Späte Blüten
Ein Rosenzweig, voll aufgeblüht,
Im Herbst, wenn uns die Sonne flieht,
Scheint wie ein Gruß, korallenrot,
Den uns der Sommer freundlich bot.
So treibt des Herzens Ungestüm
Die Freude, trotz der Wehmut hin
Zum Blühen in Zufridenheit
Noch in der dunklen Jahreszeit. -
Das Paradies
Auf Engelsfüßen leis und leicht
Musik zu mir herniedersteigt,
Die Flügel weit gebreitet,
Ins Paradies mich leitet.
Da ruhe ich und träume
Im Schatten goldner Bäume.
Dort sprudeln ewig Quellen schon,
Mein armes Herz, es trinkt davon. -
Das Geschenk
Ein Röslein hielt ich in der Hand,
Von zarter Schönheit, wie ich fand.
Sein Duft verwirrt mich noch im Schlaf.
Ein Dorn mich jäh ins Herze traf.
Oh Röslein, ach so wundersam,
Was fang' ich nur vor Freude an?
So sehr Dein Duft mich hat entzückt,
Trotz Stachel fühl' ich mich beglückt. -
Untergang
Mein Stern fiel heute in der Nacht
Vom Firmament in goldner Pracht.
Er rollt mir glanzlos vor die Füße,
Wo ich bestürzt ihn finden müsse.
Ganz dunkel, ohne Glorienschein
Halt' ich ihn in den Händen mein.
Enttäuscht lass' ich ihn endlich fallen,
Er schien der größte unter allen.
Ein Stern so freundlich und so schön
Wie konnte er nur untergeh'n?
Wo find' ich nun auf Erden weit
Ein Licht, mich leitend durch die Zeit.